review

02/10/2011

J.A. BALOGHY

ARTIS DIVERSIS

ARTIS DIVERSIS INTERVIEW

R. Pocci widerspiegelt seine Landesliebe und Traditionsbewusstsein, J.A.G. Baloghy sammelt und interpretiert seine Impressionen, A. Rinehart begleitet festlich die Künstler mit italienischer Musik aus der 16. Jahrhundert.

von Johann A.G. Baloghy
Riccardo Pocci widmet diesmal seine präsentierten Werke der Stadt Mailand der immer ein Symbol für “Risorgimento” und demokratischen Ideale war und nahezu in eine unveränderte nationale und politische Dynamik pulsiert. Er beginnt mit dem Reiterdenkmal Missori als Symbolfigur für den 150. Jahrestag der Einigung Italiens. Wenn man von Zivilcourage in der Kunst sprechen kann, dann besitzt Riccardo Pocci diesen Tugend kombiniert mit dem starken Gefühl der Landesliebe, Traditionsbewusstsein und bürgerliches Pflichtbewusstsein. Mit Motiven aus den Spuren der Geschichte Italiens, im Kontrast mit der Gegenwart, dokumentiert und kontextualisiert der toskanische Künstler die Tradition mit neuen kritischen Sichtweisen und neue künstlerische Sprachkomponente.

Mit einer extrem verfeinerten Affinität und perfekte Beherrschung der klassischen Guitarre spielt Alan Rinehart italienische Lauten Musik aus der 16. Jahrhundert von Spinacino, Dalza, Francesco Canova da Milano, Alberto Da Ripa, Capirola, Barbetta, Borrono, Terzi und Molinaro.

Johann A.G. Baloghy präsentiert seine Impressionen und Interpretationen, in Fotografiken umgewandelt, mit der Absicht das Wesentliche aus den gewählten Themen unter Berücksichtigung von kanonischen Regeln der Kompositionstheorie zu betonen und diese in Sequenzen zu wiedergeben.

INTERVIEW: Johann A.G. Baloghy (JB) and Riccardo Pocci (RP)
Aktuelle Werke des toskanischen Künstlers Riccardo Pocci / Current works of the Tuscan artist Riccardo Pocci

Aktuelle Ausstellungen / Actual exhibitions:
26. Aug. – 06. Okt. 2011 Galerie Alex Schlesinger – Tödistrasse 48 – Zürich
05. Okt. – 22. Okt. 2011 Galerie ABC Milano – Via Civerchio 5 – MilanoR. Pocci widerspiegelt seine Landesliebe und Traditionsbewusstsein, J.A.G. Baloghy sammelt und interpretiert seine Impressionen, A. Rinehart begleitet festlich die Künstler mit italienischer Musik aus der 16. Jahrhundert.


JB: Guten Morgen Herr Pocci!

RP: Guten Morgen Herr Baloghy!

JB: Nach Ihrer Kunstausbildung als Maler in Florenz und als Architekturdesigner in Pisa, scheint aus meiner Sicht, dass Sie sich deutlich zwischen der konventionellen Malerei und grafischen Kunst, mit moderner Kunstsprache und Technik ohne den Einfluss von Masaccio (1401-1428) aus der italienischen Frührenaissance zu verlieren, positionieren. Die klare Anordnung der Ebenen verrät das. Sie bringen aber vieles Neues dazu. Können Sie das bitte beschreiben?

RP: Natürlich! Ich bin in der Toskana aufgewachsen und habe bis zum Alter von 23 Jahren studiert. Ich hatte das Glück und das Privileg, die besondere Landschaft und den Respekt gegenüber der Natur, die diese Region seit Jahrhunderten prägt, absorbieren zu können. Ebenso die wesentliche Sensitivität für Masaccio (ein Künstler, den ich für einen „Giganten“ halte), wie auch die Sinopien von Pisa, den Boden der Kathedrale von Siena, die Reit-Denkmäler von Simone Martini und Paolo Uccello. Ganz allgemein war und ist die Frührenaissance ein wichtiger Bezugspunkt in meiner visuelle Bildung und das widerspiegelt sich mit Ausdruckskraft in meiner Arbeit. Ein weiterer Faktor in meiner Ästhetik ist die Untersuchung der Themen nach den Prinzipien der Gestalt-Schule für Psychologie und Wahrnehmung. Darüber hinaus das Konzept der “Kontextualisierung” von renommierten Autoren wie Batheson, Panofsky, Gombrich, Yates war entscheidend für mich um meine Forschung in der zeitgenössischen Ästhetik einzuleiten. Ich versuche, diese theoretischen Hintergrund mit der Technik der Vergangenheit und der Technologie der Gegenwart in Einklang zu bringen.

JB: Die ausgeprägten Kontraste, zwischen den organischen und starren Formen in verschiedenen Ebenen, zwischen Licht und Schatten, und nicht zuletzt durch die verwendeten Träger Ihrer Werke, beeindrucken mich sehr. Ich wage auch eine partielle Assoziation Ihrer Werke mit den Kunststilen wie Pop Art und Op-Art in den 1950er und 1960er Jahren. Wie sehen Sie diesen Aspekt der Ausstrahlung Ihrer Werke?

RP: Es gibt in meiner Arbeit ein Bezug auf die Pop-Art und Op Art, vor allem in der technischen Umsetzung. Diese beiden künstlerischen Bewegungen haben Sprachen in der Funktion der Reproduzierbarkeit entwickelt, mit der Technologie ihrer Zeit. Es ist ausreichend, um an die Siebdruck Experimente von Andy Warol auf Bitmap Gitter, oder die optischen Werke von Riley und Vasarely Basis zu denken. Pop-Art und Op Art sind verbunden mit meiner Wahrnehmungsforschung während meiner Produktion durch den Einsatz der “Maschine”, die am besten und geeignetsten die visuelle Anregung organisiert. Dieser Aufwand wurde vom Pop Art zur Anonymisierung der Emotionen, als kritischer Geste gegenüber der grassierenden Konsumgesellschaft nach dem Krieg, eingesetzt. Die Op Art suchte, durch die offenen Wege des Bauhauses und De Stijl, nach den filmischen Reizen. Ich benutze die “Maschine” für die Verarbeitung der visuellen Reize auf organische Materialien, um dadurch diese gemeinsam zu verbessern, zu kommunizieren, was sie allein nicht schaffen würden. Der Entstehungsprozess ist persönlich, subjektiv und spielt sie auf der Suche nach Balance, während das Ergebnis nie vorhersehbar ist.

JB: Die angewandten Techniken der „Fotografik“ wie Inhaltstransfer und bemalen mit Gouache, erfordert eine minutiöse Bearbeitung, insbesondere wenn Sie Ihre Werke als moderne Diptychen, Triptychen oder „N-ychen“ (Lattenroste) konzipieren. Verwenden Sie auch mechanische Transfertechniken?

RP: Die Realisierung der manuellen Arbeit kommt nach der Projekt-Dokumentation, wo die Beziehung zu den Zeitgenössischen im Mittelpunkt der Forschung steht. Die Übertragung der Zeichnungen in den zyklischen Stationen (bis 2006) war komplett manuell. Heute helfe ich mir mit der Verwendung eines Projektors um die Zeichnung zu übertragen, die jedoch manuell erstellt wurde. Es wäre zu schwierig, um Proportionen in der Zeichnung manuell auf Paletten zu berücksichtigen. Ich verwende keine Druck-Techniken und neige nicht zur Bildbearbeitung, sei es den ich möchte die Bilder drucken, was aber selten vorkommt.

JB: Herr Pocci, glauben Sie, dass Sie in Zukunft ohne Inhaltsverlust Ihre gewählte Themen noch weiter abstrahieren werden, oder in welche Richtung tendieren Sie aus heutiger Sicht?

RP: Die abstrakte Kunst entwickelt eine autarke Sprache, die einen Prozess der Decodierung beim Betrachter auslöst, um diesen genießen zu können. Ich arbeite mit einer Sprache, die die ferne Vergangenheit in zeitgemäßer Form aufruft und in Erinnerung bringt. Seit 2007 begann ich meine Untersuchungen über die Stadt und die Natur: das Konstrukt des Menschen und des Umfeldes, in dem er tätig ist. Vor dieser gab es noch andere Themen, die ich als besser geeignet im Kontext und Zeit in dem arbeitete, fand. Reisen, Kulturen und unterschiedlichen Umgebungen zu entdecken, haben die Macht über mich, wie über allen Künstlern, zu wirken. Kennend meinen wandernden Geist und meine Neugierde, kann ich keinen Bereich der Untersuchung in der Zukunft ausschließen.
JB: Vielen Dank. Herr Pocci ich wünsche Ihnen viel Erfolg in der laufenden Ausstellung in Zürich und in der nächsten Ausstellung in Mailand. Auf Wiedersehen in der Toskana oder bei uns in Regensburg.

RP: Vielen Dank Hr. Baloghy. Wir werden uns wahrscheinlich in Regensburg treffen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist es auf dem Weg nach Prag, wohin ich sehr bald fahren werde. Danke für Artis Diversis!

JB: Good morning Mr. Pocci!

RP: Good morning Mr. Baloghy!

JB: After your art graduation as a painter in Florence and as an architectural designer in Pisa, it seems in my view, that you are clear positioned with your modern art language and technology between the conventional painting and graphic art, without to lose the influence of Masaccio (1401-1428) from the Italian early Renaissance. The clear arrangement of the layers reveals this. But you bring much more new. Can you describe that please?

RP: Certainly! I grew up and studied in Tuscany until the age of 23 years. I was fortunate and privileged to absorb the particular landscape and the respect towards the nature that characterized this region for centuries. As well as the essential sensitivity of Masaccio (artist who I consider a “giant”) but also the sinopias of Pisa, the floor of the Cathedral of Siena, the equestrian monuments of Simone Martini and Paolo Uccello. More generally the early Renaissance was and still is an important reference in my visual education and It returns with expressive force in my work. Another factor of my aesthetic is based on the study of Gestalt school and the psychology of perception. In addition, the concept of “contextualization” provided by renowned authors as Batheson, Panofsky, Gombrich, Yates was decisive for me to enter my research in the contemporary aesthetic. I try to reconcile this theoretical background with the technique of the past and the present technology.

JB: The pronounced contrasts between the organic and rigid forms at different layers, between light and shadow and not least impressed by the used pillars of your works, make me really happy. I dare say that a partial association of your works with the artistic styles such as Pop Art and Op-Art in the 1950s and 1960s persist.

How do you view this aspect of the appearance of your artworks?

RP: There are in my work references at Pop Art and Op Art, especially in the technical implementation. These two artistic movements have developed languages in function to the reproducibility by using the technology of their time. It’s sufficient to think at the serigraph experiments of Andy Warol based on Bitmap grids, or the optical works of Riley and Vasarely. Pop Art and Op Art are linked to the perceptual research of my production through the use of the “machine”, which organizes the most appropriate visual stimulus. This effort was aimed by Pop Art to anonymous the emotions as a critical gesture towards the rampant consumer society after the war. The Op Art was seeking, through the open road by the Bauhaus and De Stijl, cinematic stimulations. I use the “machine” processing the visual stimuli in the service of organic material so that together enhance, to communicate; they cannot do without each other. The creation process is personal, subjective, it plays on the search for balance and the result is never predictable.

JB: The techniques used in the “Photo Graphics” as content transfer and painted with gouache, requires a tedious process, especially if you design your modern works as diptychs, triptychs, or “N-ychs” (slats).

 Are you also use mechanical transfer techniques?

RP: The realisation of manual work comes after the documentation project, where the context and the contemporary are the focus of research. To transfer the draw in the cycle of stations (up to 2006) was completely manual. Today I’m using a projector to help me in the draw, which is still done manually. It would be too difficult to respect proportions drawing manually on pallets. I Don’t use print techniques and I tend not to post produce photo unless I decide to print out the picture, which happens very rarely.

JB: Mr. Pocci, do you think, that you will more abstract the subjects in the future, without losing your content of the selected topics, or in which direction you tend today?

RP: Abstract art develops a self-sufficient language that requires a process of decoding by the reader to be enjoyed. I’m working with a language that recalls the distant past developed in a contemporary way. Since 2007, I began my investigation about city and nature: the construct of man and the environment in which it operates. Before this there were other issues that I believed more appropriate at the time and context in which I was working. To travel, to discover cultures and different environments have the power to act on me as on all the artists. So, Knowing my wandering mind and my curiosity I can’t exclude any field of investigation in the future.

JB: Thank you. 
Mr. Pocci. I wish you every success in the current exhibition in Zurich and in the next exhibition in Milan.

See you in Tuscany or in Regensburg again.

RP: Thank you Mr. Baloghy. We’ll meet probably in Regensburg. If I remember well It’s on the way to Prague where I’ll go very soon. Thanks to Artis Diversis!