review

04/09/2011

DOTT. CLAUDIA BIAGGINI

VISUAL-ARTNET.CH

KUNSTREICH

Beim toskanischen Maler Riccardo Pocci ist alles anders als in der konventionellen Malerei: er lenkt den Blick des Betrachters durch rankenartige Strukturen hindurch auf subtil gewählte Architekturausschnitte. Seine vom minimalen Relief geprägten Distanzbilder mit stark präziser graphischer Linienführung werden zu Erinnerungsmetaphern für Vergangenes und Erlebtes, eine Art arte della memoria , ob in den vegetativen Motiven, in den schrägen Häuserfluchten oder in verzerrten Stadtansichten, die sich nur vage orten lassen.
Dann aber sind seine Architekturlandschaften doch nicht so unkonventionell, zumindest was die Maltechnik anbelangt. Hier knüpft er an die Altmeister wie Masaccio an, wie er selbst sagt. Kein Zufall also, dass ein Werk von ihm mit ‚Trinität‘ betitelt wird, eine Art Hommage an den Renaissancekünstler aus Florenz? Und seine Grisaillen in Diptychon-Art arrangiert, die sich nur in der Phantasie aufzuklappen sind, lassen uns gar von der Vision eines Paradieses in der Manier des Hieronymus Bosch , von einem ‚Garten der Lüste‘ träumen….